• Newsletter Mai 2014

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    Editorial

    „Willkommen in der Nach-Friedensprozess-Zeit“, so lautet ein Aufmacher  in einem amerikanischen Online-Magazin. Warum sind die von den USA gesponserten israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen gescheitert und was tritt an ihre Stelle? Wir suchen nach ersten Antworten:

    „Aus dem Innenraum des Scheiterns“ überschreibt der renommierte israelische Journalist Nahum Barnea sein ebenso spannendes wie instruktives Interview mit hochrangigen Mitarbeitern von Außenminister Kerry. Die sprachen Klartext, nachdem ihnen Anonymität zugesichert worden war. Ihre Diagnose ist eindeutig: es war die ungebremste Fortführung der israelischen Siedlungspolitik während der Verhandlungen, die diese hat scheitern lassen. Israelische Stimmen außerhalb des Regierungslagers kommen zum gleichen Ergebnis und Peace Now liefert Zahlen und Fakten dazu.

    Aber wie geht es zwischen den Konfliktparteien weiter? Welche Optionen haben sie? Sortieren sie sich neu? Können ihnen andere, die EU, die internationale Staatengemeinschaft dabei assistieren? Wir fanden einen beachtlichen Anstoß für eine Neupositionierung jenseits der Dogmen von Ein- oder Zwei-Staaten-Lösung. Ein US-Amerikaner palästinensischer Herkunft, der Publizist und Unternehmer Sam Bahour, und ein Pionier des jüdisch-palästinensischen Dialogs aus Großbritannien, Tony Klug, haben ihn gemeinsam verfasst.

    Politiker werden in dem Maße um Frieden und gerechten Ausgleich des Nahost-Konflikts bemüht sein, in dem die sie tragende Gesellschaft dies auch ist. Das gilt in Israel und Palästina und ebenso bei uns. Wir haben in diesem Newsletter wieder ein paar Mut machende Beispiele zivilgesellschaftlichen Engagements zusammengetragen.

     

    „Im Innenraum des Scheiterns“ –  Amerikanische Offizielle packen aus

    Was Nahum Barnea im Interview für ynet am 2. Mai von engen Mitarbeitern des amerikanischen Außenministers über die Gründe des Scheiterns der israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen zu hören bekam, ist aufschlussreich und geeignet, der Legendenbildung durch die Konfliktparteien vorzubeugen. Zum einen, weil die Aussagen der Mitarbeiter John Kerrys aus der Perspektive des Vermittlers gemacht wurden, zum anderen, weil es sich bei diesen Aussagen nicht um eine offizielle Stellungnahme handelt. Denn diese wäre nach diplomatischen Gebräuchen sehr viel weniger deutlich ausgefallen. Hier einige wenige O-Töne in unserer Übersetzung:

    „Es gibt eine ganze Reihe von Ursachen für das Scheitern der Friedensbemühungen.  Aber die Menschen in Israel sollten diese bittere Wahrheit nicht ignorieren – die hauptsächliche Sabotage kam von den Siedlungen. Die Palästinenser glauben nicht, dass Israel sie wirklich einen Staat gründen lässt, wenn es zur gleichen Zeit Siedlungen auf dem Boden baut, der für diesen Staat gedacht ist. Wir sprechen über die Ankündigung des Baus von nicht weniger als 14.000 Wohnungen…“

    Auf die Frage des Interviewers, was denn die heutige Situation von den erfolgreichen  Friedensbemühungen nach dem Yom Kippur-Krieg von 1973 und denen nach dem Golf-Krieg von 1991 unterscheide, kam die Antwort

    „Am Ende eines Krieges gibt es ein Gefühl für die Dringlichkeit einer Lösung….Ich vermute, wir brauchen noch eine Intifada, um das Umfeld zu schaffen, das Fortschritte ermöglicht.“

    Die Bereitschaft von Abbas zu Zugeständnissen sahen Nahum Barneas amerikanische Gesprächspartner so:

    „Er stimmte einem demilitarisierten Staat zu; er war mit einer Grenzziehung einverstanden, die es ermöglicht hätte, dass 80% der Siedler auf israelischem Land hätten verbleiben können; er war einverstanden, dass Israel für fünf weitere Jahre die Kontrolle über besonders sicherheitsempfindliche Gebiete (vor allem im Jordantal) behielte. Weiter war er damit einverstanden,  dass von Juden bewohnte  Stadtviertel in Ost-Jerusalem unter israelischer Oberhoheit blieben und er stimmte zu, dass die Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge nach Israel nur mit israelischem Einverständnis erfolgen sollte. Er versprach: ’Israel wird nicht von palästinensischen Flüchtlingen überflutet werden‘.

    Er sagte uns: ‚Gibt es einen anderen arabischen Führer, der alldem zugestimmt hätte, zu dem ich meine Zustimmung gab? Ich werde keine weiteren Zugeständnisse machen, es sei denn, Israel geht auf die folgenden Bedingungen ein:

    • Die Frage der Grenzziehung müsste der allernächste Verhandlungsgegenstand sein. Darüber müsste es binnen drei Monaten eine Einigung geben. (Für diesen Zeitraum müsste der Siedlungsbau eingefroren werden. Danach könnte in den Gebieten weitergebaut werden, die in einem endgültigen Friedensabkommen an Israel fallen sollen)
    • Für die Räumung des souveränen palästinensischen Gebiets müsste eine verbindliche Frist gesetzt werden.
    • Israel müsste zustimmen, dass Ost-jerusalem die Hauptstadt Palästinas wird.‘

    Die Israelis waren nicht willens, sich auf irgendeine der drei Bedingungen einzulassen.“

    Was denn die Vereinigten Staaten jetzt tun würden, wollte Nahum Barnea von seinen amerikanischen Gesprächspartnern wissen. Ihre Antwort:

    „Wir nehmen eine Auszeit und bewerten neu. Wir werden unsere eigenen Schlussfolgerungen ziehen.Kerrys Bereitschaft zu einem neuen Anlauf hängt von der Bereitschaft beider Seiten zu ernsthaften Verhandlungen ab. Abbas Bedingungen wurden von Israel kurzerhand zurückgewiesen. Vielleicht überdenkt man ja in Israel die eigene Position. Warum sollte denn ein dreimonatiger Siedlungsstopp so eine große Sache sein? Warum nicht eine Landkarte zeichnen? Sie haben ein großes Interesse daran, eine Einigung in gegenseitigem Einvernehmen statt als Ergebnis externen Drucks zu erreichen. Eine Landkarte mit Grenzeinzeichnungen hätte ohnehin der erste Schritt sein müssen.“

    Das gesamte Interview hier: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4515821,00.html

    „Neun Monate Gespräche, neun Monate Siedlungsentwicklung“ überschreibt die Organisation „Peace Now“ ihre aktuelle Übersicht zu den jüngsten Zahlen und Standorten im Siedlungsbau: http://peacenow.org.il/eng/9Months

     

    Die Palästinenser handeln: Entscheidungen gegen den Frieden?

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    Meretz-Vorsitzende Zehava Gal-On

    Ende März hätten, wie zwischen Israelis und Palästinensern vereinbart, die letzten der 104 palästinensischen Strafgefangenen aus israelischen Haftanstalten freikommen sollen, die dort bereits mehr als zwanzig Jahre einsaßen. Das geschah nicht.  Daraufhin fühlte sich die palästinensische Seite nicht mehr an eine andere, vor Aufnahme der Friedensverhandlungen getroffene Absprache gebunden, die sogenannte Stillhalte-Absprache. Sie ergriff zwei Initiativen. Zum einen erklärte Präsident Abbas den Beitritt zu 15 internationalen Vereinbarungen, zum anderen schloss die Palästinensische Befreiungsorganisation, in der die Partei des Präsidenten, die Fatah, eine führende Stellung einnimmt und der die in Gaza herrschende Hamas bisher nicht angehört, ein Versöhnungsabkommen. Danach soll eine von der Hamas mitgetragene Übergangsregierung aus nicht-parteigebundenen Experten gebildet werden, welche vor allem die seit mehreren Jahren überfälligen Parlaments- und Präsidentenwahlen vorbereiten soll. Diese sollen im Westjordanland wie auch in Gaza spätestens sechs  Monate nach Bildung der Übergangsregierung stattfinden. Die israelische Regierung reagierte überrascht und verärgert. Der israelische Ministerpräsident erklärte, Präsident Abbas müsse sich entweder für einen Frieden mit der Hamas oder mit Israel entscheiden. Für beide Initiativen kündigte die israelische Regierung Gegenmaßnahmen an. Eine davon, der Einbehalt von Zoll- und Steuereinnahmen, die der Palästinensischen Autonomiebehörde zustehen, wurde bereits umgesetzt.

    Interessant sind israelische Stimmen zu beiden Entwicklungen, die nicht aus dem Regierungslager kommen. Sie finden an beiden Initiativen nichts, was einem Frieden mit Israel abträglich wäre. Ganz im Gegenteil: Zehava Gal-On, Vorsitzende der Meretz-Partei und Knesset-Abgeordnete, versteht nicht, warum sich die Israelis deshalb beunruhigen sollten. „Ich glaube nicht, dass er (Abbas) die Verhandlungen zum Scheitern bringen wollte, aber in dem Augenblick, als Israel sich weigerte, wie vereinbart die letzte Gruppe der Gefangenen freizulassen, tat er das Richtige.“ Gal-On weiter: „Wir sollten uns nicht fürchten, das Paradigma zu ändern, in dem wir zu denken gewohnt sind: erst Verhandlungen und dann Anerkennung eines palästinensischen Staates. Der Staat Israel könnte sehr wohl Verhandlungen mit einem palästinensischen Staat nach dessen Anerkennung in der UNO führen. Vielleicht ist das sogar vorzuziehen: denn auf diese Weise fänden die Verhandlungen zwischen zwei Regierungen mit gleichem Status statt, nicht von der Position des Besatzers gegenüber dem Besetzten.“ Hier zum vollständigen Interview mit Gal-On:

    http://www.al-monitor.com/pulse/ar/originals/2014/04/gal-on-meretz-interview-abbas-netanyahu-negotiations-un.html

    Auch wenn man sich die Inhalte der Abkommen ansieht, denen Palästina beigetreten ist, http://www.palaestina.org/index.php?id=160&tx_ttnews%5Btt_news%5D=366&cHash=0f457797f7a5634cc9a6ff99a2917bc3 finden sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Israel selbst oder einem israelisch-palästinensischen Ausgleich aus dem Beitritt ein Schaden erwachsen könnte. Im Gegenteil: Die Abkommen verpflichten die Palästinenser auf allgemeine völker- und menschenrechtliche Standards. Und noch hat Präsident Abbas davon abgesehen, einem ganz bestimmten Abkommen, dem sogenannten Rom-Statut, beizutreten. Erst dieser Schritt würde Palästina den Zugang zum Internationalen Strafgerichtshof eröffnen und die Verfolgung israelischer Verantwortlicher für Verbrechen nach dem Völkerstrafrecht ermöglichen.

    Premierminister Netanyahu hatte noch erklärt, Präsident Abbas müsse wählen zwischen einem Frieden mit Israel und einem Frieden mit Hamas. In Medien außerhalb des israelischen Regierungslagers wird das anders gesehen. „Wenn man an Frieden glaubt, ist die Vereinbarung zwischen Fatah und Hamas eine gute Nachricht“, so Noam Sheizaf im Online-Magazin +972.

    http://972mag.com/if-you-believe-in-peace-the-fatah-hamas-deal-is-good-news/90023/

    Abbas werde künftig nicht mehr nur für einen Teil der Palästinenser (die im Westjordanland) und nicht nur für einen Teil des politischen Spektrums (die Mitgliedsorganisationen der PLO) sprechen können. Shlomi Eldar in Al-Monitor meint, die Versöhnung zwischen Hamas und Fatah stelle eine ausgesprochene Chance für Israel dar. Es bestehe Aussicht, dass die Autonomiebehörde ihre Zuständigkeit auch in Gaza wieder wahrnehmen könne. Werde das Versöhnungsabkommen vervollständigt und umgesetzt,  werde dies einen (weiteren) inneren Wandel der Hamas erzwingen:

    http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2014/04/hamas-fatah-reconciliation-israeli-leadership.html

    Hier eine Inhaltsangabe des Versöhnungsabkommens:

    http://backchannel.al-monitor.com/wp-content/uploads/2014/04/General-Delegation-of-the-PLO-to-the-United-States.pdf

    Und hier ein Link zum Wortlaut des Abkommens:

    http://backchannel.al-monitor.com/wp-content/uploads/2014/04/Reconciliation_statement1.pdf

     

    Frieden: Welche Optionen verbleiben?

    four_solutionsDahlia Scheindlin (+972) sieht vier Szenarien für mögliche politische Entwicklungen zwischen Jordan und Mittelmeer. Dabei lässt sie die Möglichkeit eines gewaltsamen Aufstands außer Betracht. Es verblieben dann: Zwei Staaten kraft Übereinkunft, Zwei Staaten durch Evolution, Ein Staat kraft Übereinkunft und Ein Staat durch Evolution. Sie fordert die politisch Verantwortlichen auf, sich mit den Szenarios offen auseinanderzusetzen und zu bewerten, was jedes von ihnen für die Zukunft der Region bedeuten könnte. Sie schlägt vor, die Wünschbarkeit jedes einzelnen Szenarios daran zu messen, was sie für die Verwirklichung von Grundwerten bedeuten: inwieweit ließe sich Gewalt vermindern, inwieweit könnten Menschen- und Bürgerrechte sowie kollektive Rechte realisiert werden und ließe sich das alles nachhaltig erreichen? Am Schluss ihres Durchgangs durch die vier Szenarien meint sie, dass diejenigen von ihnen, die nicht auf Übereinkunft beruhten, die realistischsten seien. Zugleich seien diese Szenarien aber auch die am wenigsten nachhaltigen und die unfairsten:

    http://972mag.com/peace-process-only-four-options-left/89923/

     

    Ein Vorschlag, sich zu entscheiden

    Unter dem Titel „If Kerry fails, what then?” (Le Monde diplomatique, 8.4.2014) machen Sam Bahour und Tony Klug Israelis wie Palästinensern einen Vorschlag. Als dessen Ausgangspunkt benennen sie zwei, wie sie sagen, „kritische Zweideutigkeiten“, die aufgelöst werden müssten.  Sie beträfen Israels Kontrolle über die Westbank und Gaza: seine Herrschaft über die Palästinenser und die Besiedlung ihres Landes.

    Die erste Frage sei: handelt es sich dabei um Besatzung oder nicht. Die ganze Welt bejahe das und halte deshalb die IV. Genfer Konvention und andere Vorschriften des internationalen Rechts für anwendbar. Die israelische Regierung bestreite das aus rechtstechnischen Gründen. Sie halte sich nicht für strikt an die Genfer Konvention gebunden und deshalb auch nicht rechtlich gehindert, Teile des 1967 eroberten Gebiets zu annektieren,  auszubeuten und dauerhaft zu besiedeln. Andererseits stützten sich die israelischen Behörden wiederum auf die Genfer Konvention, wenn es darum gehe, Palästinenser außerhalb des israelischen Staatsgebiets anderen Normen als israelische Staatsbürger zu unterwerfen. Sie zitierten dabei die Vorschriften der Genfer Konvention, die es verbieten würden, den rechtlichen Status von Bewohnern besetzter Gebiete zu ändern. Diese Zweideutigkeit habe der Besatzungsmacht sehr genützt. Sie habe es ihr erlaubt, sich aus beiden rechtlichen Sphären jeweils die besten rechtlichen Früchte zu sichern, während das Volk des besetzten Landes auf die schlechtesten verwiesen sei.

    Die zweite Frage laute, an welchem Punkt eine Besatzung aufhöre, Besatzung zu sein und zu einem Dauerzustand werde. Fast ein halbes Jahrhundert sei vergangen, in welchem signifikante Veränderungen der Infrastruktur des besetzten Gebietes vorgenommen worden seien. Könne da überhaupt noch von Besatzung mit der Konnotation von „Vorläufigkeit“ gesprochen werden? Nach Auffassung von Bahour und Klug könne Israel nicht beides zugleich haben. Entweder gelten die Vorschriften über die Besatzung oder sie gelten nicht.  Sollte es sich um Besatzung handeln, sei es für Israel überfällig, seine vorläufige Treuhandschaft zu beenden. Sollte es sich nicht um Besatzung handeln, gebe es keine Rechtfertigung dafür, jemandem, der israelischer Herrschaft unterworfen ist, sei er nun Israeli oder Palästinenser,  gleiches Recht zu verweigern.

    Bahour und Klug plädieren dafür, die israelische Regierung international vor eine Wahl zu stellen. Bis Juni 2017, dem 50. Jahrestag der Besatzung, solle sie sich entscheiden müssen: auf die besetzten Gebiete zu verzichten und sie direkt den Palästinensern oder einer vorläufigen internationalen Treuhandschaft zu überlassen – alternativ: jedem, der unter israelischer Herrschaft lebt, in vollem Umfang gleiche Bürgerrechte zu gewähren. Sollte sich Israel bis dahin nicht entschieden haben, wäre die internationale Staatengemeinschaft zur Schlussfolgerung berechtigt, dass die Regierung durch Nichthandeln die zweite Alternative, Gleiche Bürgerrechte für alle, gewählt hat. Andere Regierungen und die internationale Zivilgesellschaft wären dann frei, die israelische Regierung an diesem Maßstab zu messen und für dessen Nichteinhaltung zur Verantwortung zu ziehen:

    http://mondediplo.com/blogs/if-kerry-fails-what-then

     

    „Wir weigern uns, in der Besatzungsarmee zu dienen“

    50 junge Israelis, die demnächst ihren Wehrdienst ableisten sollen, schickten ihrem Ministerpräsidenten Anfang März einen Offenen Brief. Darin erklärten sie, warum sie den Dienst in der israelischen Armee verweigern werden. Hier ein paar Auszüge in unserer Übersetzung:

    „Wir, die Unterzeichneten, haben die Absicht, den Dienst in unserer Armee zu verweigern und der Hauptgrund für unsere Verweigerung ist, dass wir Gegner der militärischen Besetzung palästinensischer Gebiete sind.  Palästinenser in den besetzten Gebieten leben unter israelischer Herrschaft. Ausgesucht haben sie sich das nicht und sie haben keine rechtlichen Mittel, das Besatzungsregime oder seine Entscheidungsprozesse zu beeinflussen. Das entspricht weder dem Gleichbehandlungsgrundsatz noch ist es gerecht.  In diesen Gebieten werden Menschenrechte verletzt und Handlungen begangen, die nach internationalem Recht Kriegsverbrechen darstellen – und dies ist dort Alltag. Darin enthalten sind gezielte außergerichtliche Tötungen, die Errichtung von Siedlungen auf besetztem Land, sogenannte Administrativhaft, Folter, Kollektivstrafen und die ungleiche Verteilung von Ressourcen wie elektrischer Strom  und Wasser. Jedweder Militärdienst verfestigt diesen status quo. Deshalb können wir unserem Gewissen folgend nicht Teil eines Systems sein, das die erwähnten Handlungen begeht.“

    „Wir weigern uns, unsere Grundsätze aufzugeben, nur um in unserer Gesellschaft akzeptiert zu werden.“

    „Wir appellieren an unsere Altersgenossen, an diejenigen, die jetzt Wehrdienst leisten oder als Reservisten Dienst tun, an die israelische Öffentlichkeit insgesamt, ihre Haltung zur Besatzung, zur Armee und zur Rolle des Militärs in der Zivilgesellschaft zu überdenken.“

    Die Aktion ist die bisher umfangreichste in Israels Geschichte. Hier der Link zum Brief:

    http://www.kibush.co.il/show_file.asp?num=63633 

     

    Hand-in-Hand-Schule gewinnt Preise

    Hand-in-Hand-Schulen integrieren Schüler und Lehrer jüdischer wie palästinensischer Herkunft und unterrichten in beiden Sprachen. Die Jerusalemer Hand-in-Hand Schule war im Wettbewerb aller Jerusalemer Schulen wieder einmal erfolgreich. Ein jüdisch-palästinensisches  Lehrerinnen-Duo gewann den Preis der Jerusalemer Erziehungsbehörde  für herausragende Leistungen in der Vermittlung von Werten, die auf Engagement, Verantwortlichkeit, und Übernahme von Führungsaufgaben  in der Gemeinde abzielen. Und Schüler der 9. Klasse waren zum dritten Mal hintereinander in den Naturwissenschaften erfolgreich. Sie entwickelten einen Metalldetektor, der zwischen verschiedenen Metalltypen unterscheiden kann. Die Juroren waren über das hohe, geradezu akademische Niveau dieser Entwicklung verblüfft. Sie könnte insbesondere in der Medizin-Technik zu Neuentwicklungen führen. Die Schule freut sich über die Erfolge, die in ihr gesellschaftliches Umfeld ausstrahlen:

    http://www.handinhandk12.org/events/winning-jerusalem

     

    Erfahrungsbericht:  Good Water Neighbors Youth Camp

    „Friends of the Earth Middle East“ ist eine in Israel, Palästina und Jordanien tätige Umweltschutzorganisation. Unter der Überschrift „Gute Wasser-Nachbarn“ identifiziert sie Probleme des Umgangs mit dem knappen Gut Wasser in der Nahost-Region, zum Beispiel die Verschmutzung von Oberflächengewässern, die nur grenzüberschreitend und gemeinsam gelöst werden können. Dafür entwirft und realisiert sie konkrete Projekte. Damit soll auch ein Beitrag zum Frieden in der Region geleistet werden. Auch die nachwachsende Generation soll lernen, Verantwortung für die Umwelt gemeinsam wahrzunehmen. Wie 12 bis 15 Jährige Israelis und Palästinenser mit Spiel, Spaß und gemeinsamen Exkursionen auf einem zweieinhalbtägigen Youth Camp dafür gewonnen werden können, davon zeugt der Bericht einer Praktikantin:

    http://foeme.wordpress.com/2014/03/18/a-glimpse-into-good-water-neighbors-youth-camp/

     

    Die Tragödien der Anderen kennenlernen

    Professor Mohammed Dajani Daoudi, Politikwissenschaftler an der Al-Quds-Universität in Ost-Jerusalem, hat im März zusammen mit 27 Studenten eine fünftägige Reise nach Auschwitz unternommen. Die Reise, so Dajani, sollte dazu beitragen, „das Geschichtsbewusstsein der Studenten zu bilden“ und sie „für die Leiden des Anderen zu sensibilisieren“:

    http://www.courrierinternational.com/article/2014/04/16/un-palestinien-a-auschwitz

    Parallel hierzu hat eine Gruppe von 30 Studenten  der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva eine Fahrt zu den Spuren der palästinensischen Tragödie von 1948, u. a. im einstmals palästinensischen Lydda (Lod) unternommen und sich mit Flüchtlingen aus dem Lager Deheishe bei Bethlehem getroffen.

    Beide Unternehmungen sind Bestandteil eines trilateralen Forschungsprojekts. Es trägt den Titel „‘Herzen aus Fleisch, nicht aus Stein‘:  Kann eine Begegnung mit dem Leid des Anderen inmitten des Konflikts zu einer größeren Versöhnungsbereitschaft führen?“ Federführend für das Projekt ist die Universität Jena. Beteiligt sind Wissenschaftler der Al-Quds-Universität und der Universitäten Tel-Aviv und Beer Sheva. Gefördert wird es aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft:

    http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/229570262

    Holocaust-Bildung ist unter Palästinensern umstritten  – ähnlich  umstritten wie bei Israelis, wenn es darum geht, in Israel die Nakba zum Bildungsthema zu machen. Dementsprechend heftig waren Vorwürfe, die Professor Dajani von Landsleuten einstecken musste: von Verrat war die Rede, von Gehirnwäsche, von falscher Normalisierung und  davon, dass Dajani besser daran getan hätte, die Studenten über die Nakba zu unterrichten. Dajanis einfache Antwort: „Es gibt so viele Palästinenser, die über die Nakba lehren, aber keiner unterrichtet über den Holocaust.“

    http://972mag.com/moderate-islam-meets-auschwitz/89744/

    Ein studentischer Teilnehmer reflektiert seine Reiseerfahrungen und ebenso die öffentliche Kritik an der Reise:

    http://www.maannews.net/eng/ViewDetails.aspx?ID=691492

    Es gibt weitere Anzeichen für eine wachsende Bereitschaft der  palästinensischen wie der israelischen Gesellschaft, die Geschichte der jeweils anderen Seite anzuerkennen und dies auch öffentlich auszusprechen: Präsident Abbas hat jüngst in einer Erklärung auf Englisch  wie auch Arabisch die Ermordung von Juden im Holocaust  als „das abscheulichste Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet, „das in neuerer Zeit stattgefunden hat.“ Ausdrücklich hierauf Bezug nehmend, hat die führende liberale israelische Tageszeitung Haaretz in einem Leitartikel vom 29. April („Die Nakba anerkennen“) die israelische Regierung aufgefordert,  die Geschichte der Palästinenser zum integralen Bestandteil sämtlicher schulischer Curricula zu machen:

    http://www.haaretz.com/opinion/1.587925

     

    Erste nach palästinensischem Ort benannte Straße in Deutschland

    Xanten ist eine von fünf Städten in Deutschland, die eine Partnerschaft zu einer palästinensischen Stadt unterhalten. Und jetzt ist Xanten die erste Stadt in Deutschland, die eine Straße nach einer palästinensischen Stadt benannt hat – nach ihrer Partnerstadt Beit Sahour. Das wurde mit großer Beteiligung der Xantener, mit Gästen aus der Partnergemeinde und in Anwesenheit der Leiterin der Palästinensischen Mission in Deutschland, Botschafterin Dr. Daibes, gefeiert.

    http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-rheinberg-xanten-alpen-und-sonsbeck/ein-besonderer-tag-aimp-id9230931.html

     

    Partnerschaftsaufruf

    Es gibt erfreulich viele Partnerschaften von Kommunen, Schulen und Hochschulen nach Israel. Ihnen sollte eine  – wenn auch bescheidenere – Anzahl neuer Partnerschaften nach Palästina folgen. Überall dort, wo es schon persönliche, berufliche oder institutionelle Verbindungen zu palästinensischen Gemeinden, Schulen oder Hochschulen gibt, könnte das Ausgangspunkt und Kristallisationskern für eine neue Partnerschaft sein. Wir regen an, über eine solche Möglichkeit nachzudenken. Über Rückmeldungen aus unserem Leserkreis würden wir uns freuen. Unser Forum bietet an, gemeinsam mit Ihnen über mögliche nächste Schritte zu beraten.

    Schreiben Sie an info [ät] forum-deutschland-israel-palaestina.de

     

    Rückblick

    5. April 2014: Mitgliederversammlung und Vortrag zum Stand der Verhandlungen

    Zur Mitgliederversammlung am 5. April in Sachsenheim referierte der stellvertretende Vorsitzende Tobias Pietsch zu „Stand und Perspektiven der israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen“. Anschließend legte der Vorstand Rechenschaft über die Arbeit des vergangen Jahres ab und wurde anschließend einstimmig entlastet.

    Das Referat ist online abrufbar unter: www.forum-deutschland-israel-palaestina.de/20140410/

     

    Ausblick

    5. – 7. Juli 2014: Seminar zum Thema Jugend in Israel und Palästina

    Gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Bad Boll und Pax Christi bieten wir Anfang Juli ein Wochenendseminar in Bad Boll an. Unter der Überschrift „Jugend in Israel und Palästina – Hindernisse, Herausforderungen, Hoffnungen“ diskutieren wir mit jungen Menschen aus Nahost die Rollen und Perspektiven der Jugend. Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.forum-deutschland-israel-palaestina.de/veranstaltungen/seminar-jugend-in-israel-und-palastina/

     

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