• Newsletter Mai 2011

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    Den gesamten Newsletter gibt es auch als PDF-Datei zum herunterladen.

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    Editorial

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    dies ist die erste Ausgabe unseres Newsletters. Er bringt Ihnen in unregelmäßiger Folge Nachrichten aus Israel und Palästina. Ihre Auswahl orientiert sich an der Aufgabe des Forums: wir wollen beitragen zu vertiefter Kenntnis von Geschichte und Gegenwart, Kultur und sozialem Leben der Menschen in Israel und Palästina, ebenso zu einem besseren Verständnis für die berechtigten Belange beider Völker in dem zwischen ihnen bestehenden Konflikt. Wir wollen helfen, Brücken zu bauen.

    Nachrichten-Wert für unseren Newsletter kann vieles haben: ein Konzert an besonderem Ort und zu besonderer Zeit, ein Manifest, ein Grenzen überschreitendes Kooperationsprojekt, eine Friedensinitiative, der gewaltsame Tod eines besonderen Menschen. Dem arabischen Aufbruch werden wir gerade in seinen Auswirkungen in Israel und Palästina immer wieder folgen.

    Wie bei einem Newsletter üblich reißen wir ein einzelnes Thema kurz an und verweisen für weitergehende Informationen auf Quellen mit Berichten und Kommentaren.

    Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre. Über ein Feedback mit Anregungen, Kritik, Diskussionsbeiträgen würden wir uns freuen.

     

     

    Barenboim dirigiert Mozart in Gaza

    Am 3. Mai brachte Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, mit einem von ihm gecharterten Flugzeug Musiker aus fünf europäischen Ländern über die ägyptische Grenze nach Gaza. Sie spielten vor mehreren hundert überwiegend jugendlichen Zuhörern Mozart. Ziel ihrer Mission, so Barenboim: durch Musik Trost und Freude in die eingeschlossene Stadt zu bringen. Wie dem notorischen Grenzgänger mit israelischem Pass und palästinensischer Ehrenbürgerschaft das schwierige Unternehmen gelang und welches Echo er bei den Gazanern fand, beschreiben Conal Urquhart im„Guardian“ (http://www.guardian.co.uk/world/2011/may/03/daniel-barenboim-orchestra-gaza-concert?INTCMP=SRCH) und Hans-Christian Rößler in der F.A.Z. http://de.qantara.de/wcsite.php?wc_c=16120&wc_id=16340

     

    Arabischer Aufbruch: junge Israelis teilen die Gedanken und Gefühle ihrer arabischen Generationsgenossen

    Nicht Distanz und Befürchtungen, stattdessen Hochachtung und Sympathie: Sie prägen den Offenen Brief von 68 jungen Mizrahim, den sie am 24. April unter dem Titel „Ruh Jedida. A New Spirit for 2011“ an ihre arabischen Altersgenossen adressierten. Und über unverbindliche Sympathie gehen sie weit hinaus. Die jungen orientalischen Juden, deren Eltern oder Großeltern nach 1948 aus arabischen Ländern nach Israel einwanderten, sehen sich in der Pflicht, im eigenen Land ungerechte, versteinerte Strukturen aufzubrechen. Sie wollen für Verhältnisse sorgen, die es allen Menschen in Israel und den von ihm besetzten palästinensischen Gebieten ermöglichen, ein Leben in Freiheit und Würde, mit gleichen Rechten und umfassender demokratischer Teilhabe zu führen. Sie verstehen sich als Miterben eines gemeinsamen arabisch und jüdisch zugleich geprägten Orients. Der englische Wortlaut des Briefes findet sich unter http://972mag.com/young-mizrahi-israelis-open-letter-to-arab-peers/, eine leicht gekürzte Übersetzung ins Deutsche bei http://www.palaestina-portal.eu/Stimmen_Israel_juedische/junge_juden_arabische_laender.html

     

    Gaza’s Youth Manifesto for Change!

    Unter dieser Überschrift veröffentlichte eine anonyme Gruppe junger Gazaner am 13. Dezember letzten Jahres ein Manifest des Aufbegehrens in ungewöhnlich offener, direkter, erfrischend-frecher Sprache. Alles daran klingt heute, im Nachhinein, wie ein Vorbote der arabischen Rebellion. Der Tenor des Manifests ist denkbar einfach und klar: „….Wir wollen drei Dinge. Wir wollen frei sein. Wir wollen in der Lage sein, ein normales Leben zu leben. Wir wollen Frieden. Ist das zu viel an Wünschen….?“ Der englische Wortlaut des Manifests und eine Fortsetzung unter der Überschrift Gaza Youth to Planet Earth! Anyone out there? „Gaza what?“ findet sich unter http://gazaybo.wordpress.com/about/ Ein Gespräch mit Vertretern der Gruppe (fünf jungen Männern und drei jungen Frauen) hat Vera Macht geführt, http://www.palaestina-portal.eu/Stimmen_deutsch/macht_vera_gaza_youth_breaks_out_gybo.htm

     

    Gute und schreckliche Nachrichten aus Jenin

    Auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin im März diesen Jahres präsentierten sich erstmals gemeinsam an einem Messestand der israelische Kreis Gilboa und das palästinensische Jenin. Ziel ihres Projektes Tourism for Peace“ ist, Touristen ein Angebot zum Besuch beider Distrikte zu machen, vgl. Pressemitteilung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vom 13. März 2011 unter http://www.bmz.de/de/presse/aktuelleMeldungen/2011/maerz/20110313_pm_xx_itb/index.html

     

    Juliano Mer Khamis, durch seine Eltern Israeli und Palästinenser zugleich, Gründer und Leiter des Freedom Theatre Jenin, wurde am 4. April vor seiner Wirkungsstätte von maskierten Tätern erschossen. Auf der Website des Heidelberger Theaters findet sich eine knappe Würdigung dieses ungewöhnlichen Menschen und ebenso mutigen wie kreativen Streiters für Gerechtigkeit und Frieden seiner Region. (http://www.theaterheidelberg.de/servlet/PB/menu/1377780_11/index.html)

    SWR2 hat in der Sendung „Leben“ am … April ein eindrückliches Portrait Igal Avidans von Leben und Wirken J.M.K’s ausgestrahlt, zum Nachhören oder Lesen unter http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/leben/-/id=660174/nid=660174/did=7693898/xgc9vb/

     

    Israelische Friedensinitiative

    Am 6. April stellten rund 40 prominente Israelis, hochrangige ehemalige Militärs und Politiker, darunter ein ehemaliger Generalstabschef und mehrere ehemalige Chefs von Mossad und Shin Beth, ehemalige Regierungsmitglieder, angesehene Wissenschaftler, Sohn und Tochter des ermordeten Ministerpräsidenten Rabin, die „Israeli Peace Initiative“ vor. Sie soll eine israelische Antwort auf die arabische Friedensinitiative des Jahres 2002 darstellen. Die Übereinstimmungen mit dieser sind frappierend. Allerdings handelt es sich im Gegensatz zur arabischen Friedensinitiative „nur“ um einen Diskussionsbeitrag aus der israelischen Zivilgesellschaft. Wenn jedoch die israelische Regierung sich den Vorschlag zu eigen machen würde, wäre der historische Kompromiss in Reichweite. Der englische Text mit Erläuterungen findet sich bei Wikipedia, siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Israeli_Peace_Initiative

     

    Innerpalästinensische Einigung: das Versöhnungsabkommen zwischen Fatah und Hamas

    Wohl auch eine Frucht des arabischen Frühlings: Hamas und Fatah haben sich mit Hilfe der neuen ägyptischen Regierung am 27. April in Kairo auf ein Versöhnungsabkommen geeinigt. Die Hamas wird künftig in der PLO vertreten sein, eine Expertenregierung wird gebildet. Sie soll Präsidenten- und Parlamentswahlen innerhalb eines Jahres vorbereiten. Für eine mögliche Fortsetzung von Friedensgesprächen mit Israel bleibt Präsident Abbas zuständig. Die Reaktionen hierauf hätten unterschiedlicher nicht sein können. Die innerpalästinensische Zustimmung ist groß, die israelische Regierung lehnt die Einigung ab und verweigert die Weiterleitung der von ihr für die palästinensische Autonomiebehörde eingezogenen Steuern und Zölle. Unter den europäischen Regierungen gibt es teils zustimmende (Frankreich), teils abwartende Reaktionen (Deutschland). Die USA und Europa werden sich entscheiden müssen: Werden – wie im Jahre 2007 – wieder Vorbedingungen für Regierungskontakte zur neuen Einheitsregierung gestellt (Anerkennung Israels, Zustimmung zu den bisherigen Abkommen, Verzicht auf Gewalt)? Oder erhält die neue Einheitsregierung die Chance, im Rahmen praktischer Politik Berechenbarkeit und Respektierung internationalen Rechts unter Beweis zu stellen? Israel wird sich seinen palästinensischen Partner für Frieden jedenfalls nicht aussuchen können, sondern es den Palästinensern überlassen müssen, durch wen diese vertreten werden wollen. Ein palästinensischer Insider, der unabhängige Kandidat zu den Präsidentschaftswahlen 2005, Mustafa Barghouti, analysiert in einem Interview Hintergründe und Perspektiven des Abkommens. Im Anschluss daran findet sich dessen Wortlaut, siehe http://www.reiner-bernstein.de/genferinitiative/ge_berichte/Barghouthi_06.05.11.pdf

     

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