• Newsletter Dezember 2013

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    Editorial

    Die Verhandlungen der fünf Ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats und Deutschlands mit dem Iran über dessen Atomprogramm haben zu einer ersten, noch vorläufigen Einigung geführt. Noch vor kurzer Zeit schien dies unvorstellbar. Jetzt besteht nicht nur Aussicht, den Atomkonflikt friedlich zu lösen. Vielmehr könnte der Iran nach Ende dieses Konflikts zum Partner bei der Lösung der anderen großen Konflikte in der Region werden. Das sieht die israelische Regierung zwar noch ganz anders. Sie nennt die Einigung einen großen Fehler und fühlt sich hieran nicht gebunden. Wird aber die Interimsvereinbarung umgesetzt und währenddessen erfolgreich über ein umfassendes und dauerhaftes Abkommen verhandelt, wird auch die israelische Regierung international nicht weiter allein stehen wollen.

    Die israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen haben bereits die Hälfte der für eine Einigung gesetzten Frist von neun Monaten verbraucht. Anzeichen für einen Durchbruch gibt es nicht. Im Gegenteil: Vertrauensbildende Maßnahmen wie die Freilassung palästinensischer Langzeithäftlinge drohen durch Beschlüsse zur Erweiterung und Neuerrichtung von israelischen Siedlungen konterkariert zu werden. Wir versuchen, mit Hilfe von Beobachtern ein wenig hinter die Kulissen der Verhandlungen zu blicken und Szenarien zu beschreiben, wie es aus- und dann weitergehen könnte.

    Der erste Versuch, auf der Grundlage von israelisch-palästinensischen Verhandlungen einen dauerhaften Friedensschluss zu erreichen (Oslo I und II)  liegt jetzt 20 Jahre zurück. Das „Jubiläum“ gibt keinen Anlass zu feiern.  Nach dem Fahrplan von Oslo hätten die sogenannten Endstatus-Verhandlungen 1999 abgeschlossen sein müssen. Warum ist Oslo gescheitert? War es  eine Fehlkonstruktion? Antworten auf diese Fragen könnten helfen, das erneute Scheitern eines „Friedensprozesses“ zu vermeiden. Dazu verweisen wir auf zwei Analysen.

    Vielleicht liegt eine der Ursachen für das Scheitern bisheriger Friedensbemühungen auch darin, dass die jeweiligen Bevölkerungen abseits standen. Das meinen zivilgesellschaftliche Initiativen wie „Minds of Peace“ und „Encounter in the Middle East“. Wir stellen Aktionen für mehr „involvement“ vor.

    Wie immer liegt ein Schwerpunkt unserer Berichterstattung auf zivilgesellschaftlichen Initiativen für Recht, Ausgleich und Versöhnung. Einer der frühesten und bis zum heutigen Tag noch aktiven Gründer und Vorkämpfer solcher Initiativen ist Uri Avnery, der kürzlich seinen 90. Geburtstag feierte. Wir blicken auf sein Leben zurück, gratulieren und verweisen auf eine seiner letzten Kolumnen, in der er sich sein Land nach weiteren 90 Jahren vorstellt.

     

    Atomabkommen: „Historischer Schritt auf steinigem Weg“

    Foto: European External Action Service – EEAS

    Foto: European External Action Service – EEAS

    So bewertet Ulrich von Schwerin in „Qantara“ die Tragweite des am 24.11. in Genf unterzeichneten vorläufigen Abkommens. Sein Fazit: „wenn es am Ende gelingt,  die Urananreicherung weiter einzuschränken, die Zahl der Zentrifugen zu reduzieren und die Atomanlagen unter permanente Aufsicht zu stellen, wäre das ein großer Gewinn – auch für Israel“.

    http://de.qantara.de/inhalt/atomabkommen-mit-dem-iran-historischer-schritt-auf-steinigem-weg

    Hier der Text des Abkommens („Joint Plan of Action“):

    http://www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/660528/publicationFile/186773/131124_Aktionsplan_Iran.pdf

    Die derzeitige Beschlusslage des UN-Sicherheitsrates zum iranischen Atomprogramm:

    http://www.armscontrol.org/factsheets/Security-Council-Resolutions-on-Iran

    Zum grundsätzlichen Recht des Iran, zu friedlichen Zwecken sämtliche technischen Möglichkeiten der Nukleartechnologie zu nutzen, siehe Art. IV (1) des Nichtverbreitungsvertrages:

    http://www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/349442/publicationFile/4149/NVV.pdf

    Mit möglichen positiven Wirkungen des Iran-Abkommens auf andere Konfliktfelder in der Region, insbesondere den Syri-en-Konflikt und die Rolle der Hizbollah, befasst sich Al-Monitor.

    http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2013/12/iran-deal-recasts-middle-east-politics-nuclear-program.html

     

    Die Friedensgespräche: A road without a map?

    Peres, Kerry und Abbas. Foto: World Economic Forum

    Peres, Kerry und Abbas. Foto: World Economic Forum

    So sieht es ein früherer Spitzendiplomat der Arabischen Liga, Clovis Maksoud. Er spricht nicht von israelisch-palästinensischen Verhandlungen sondern von bloßen Gesprächen. Ernsthafte Verhandlungen setzten Einvernehmen über ein zu erzielendes Ergebnis voraus. Daran aber fehle es. So könnten Verhandlungen nicht als das Werkzeug fungieren, das ein gemeinsam gewünschtes Ergebnis herbeiführt. Das Dilemma bestehe darin, dass Israel die Gebiete, die es kontrolliert, nie als „besetzt“ im Rechtssinne verstanden habe und auch weiterhin nicht verstehen wolle. Stattdessen verstehe es sich als Inhaber von Rechtsansprüchen auf das von ihm eroberte Land. Unerklärlicher Weise hätten die Rechtsberater des amerikanischen Außenministeriums nie darauf bestanden, dass Israel anerkennen müsse, dass es Besatzungs-macht unter Geltung der IV. Genfer Konvention sei. Dann hätte der Begriff „Verhandlungen“ einen klaren und ergebnisorientierten Inhalt erhalten.

    http://www.al-monitor.com/pulse/tr/contents/articles/originals/2013/11/palestine-israel-west-bank-kerry-talks.html

    Offizielle Verlautbarungen gibt es auch zur Halbzeit der auf neun Monate befristeten Friedensgespräche keine. Was aber hinter den Kulissen durchsickert, ist ernüchternd, siehe den Bericht von Elior Levy in YNet:

    http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4449675,00.html

    Es mehren sich Anzeichen, dass der amerikanische Außenminister im Januar einen eigenen Vorschlag vorlegen wird, der die bestehende Kluft zwischen der israelischen und der palästinensischen Position überbrücken soll.  Noam Sheizaf befürchtet, dass der amerikanische Vorschlag nach dem Muster von Oslo I und II gestrickt sein könnte. Es käme dann zu einem weiteren Interim und die Lösung der zentralen Streitfragen wie Grenzen, Siedlungen, Jerusalem würde erneut aufgeschoben:

    http://972mag.com/is-the-obama-administration-cooking-up-oslo-3/81350/

    Andererseits sind neuerdings vom amerikanischen Außenminister ungewohnt deutliche Töne zu hören, so in einem gleichzeitig vom israelischen wie palästinensischen Fernsehen gesendeten Interview. Darin Kerry, an die israelische Ad-resse gerichtet: „Wenn Sie sagen, wir arbeiten für den Frieden und wir wollen Frieden und ein in sich zusammenhängen-des Palästina, wie können Sie dann gleichzeitig sagen, wir planen an einem Ort zu bauen, der eines Tages Palästina sein wird? Das sendet eine Botschaft aus, dass Sie es vielleicht doch nicht ernst meinen.“ Und weiter: „Ich weiß, es gibt Leute, die sind mit dem Status Quo aufgewachsen und haben sich daran gewöhnt, und das besonders in Israel. Israel sagt: ‚Oh, heute fühlen wir uns sicher. Wir haben die Mauer, wir befinden uns nicht in einem täglichen Konflikt, uns geht es wirt-schaftlich sehr gut.‘ Ich habe Neuigkeiten für Sie: der Status Quo von heute wird nicht der von morgen oder der vom nächsten Jahr sein. Denn wenn wir dieses Problem nicht lösen, wird die arabische Welt, werden die Palästinenser, deren Nachbarn und andere erneut damit beginnen, in ganz anderer Weise Druck zu machen“:

    http://972mag.com/u-s-israel-break-not-only-over-iran-but-over-palestine-too/81731/

    Wie weit die amerikanische Bereitschaft tatsächlich gehen wird, in eine direkte Konfrontation mit der israelischen Regierung einzutreten, bleibt offen. Ohne eine solche Bereitschaft aber wird sich am Status Quo nichts ändern, wie Noam Sheizaf jüngst noch einmal bekräftigt hat:

    http://972mag.com/halfway-through-timeframe-palestinian-israeli-talks-are-going-nowhere/82622/

    Und wenn sich am Status Quo nichts ändert, was dann? Sam Bahour, palästinensisch-amerikanischer Geschäftsmann und Publizist, erklärt einem jüdisch-kanadischen Fernsehsender, dass die junge Generation in Palästina von ihrer Führung einen Paradigmenwechsel erzwingen werde. Sie werde vom Leitbild des eigenen palästinensischen Staates vollends ab-rücken und sich dem Kampf für gleiche Rechte in einem Staat zuwenden, den es de facto zwischen Jordan und Mittelmeer längst gebe. In Richtung auf Israel werde sie sagen: ihr habt gewonnen, ihr bekommt alles – aber uns mit dazu:

    http://www.jewishpostandnews.ca/video-library/viewvideo/123/israel-specific/interview-with-palestinian-businessman-commentator-sam-bahour

     

    „20 Jahre Oslo – Frieden verhandeln, Konflikt verwalten?“

    Unter dieser Überschrift widmet sich der deutschsprachige Blog „Alsharq“ (Der Osten)  aus verschiedenen Perspektiven in insgesamt 11 Einzelbeiträgen den Oslo-Vereinbarungen und ihrer  Umsetzung:

    http://www.alsharq.de/wp-content/uploads/2013/11/Alsharq-Serie-20-Jahre-Oslo-Abkommen.pdf

    Die israelische Organisation „Peace Now“ hat eine Übersicht über Wachstum und Neuentstehung israelischer Siedlungen seit den Oslo-Vereinbarungen veröffentlicht. Weil sie nach Gemeindegrößen und geografischer Lage differenziert, ist sie besonders aufschlussreich:

    http://peacenow.org.il/eng/OsloSummary

     

    Weltbank, palästinensische Wirtschaft und israelische Besatzung

    Eine im Oktober veröffentlichte Studie  der Weltbank sieht im Zugang der Palästinenser zu den sogenannten C-Gebieten des Westjordanlandes den entscheidenden Schlüssel für wirtschaftliche Erholung und nachhaltiges Wachstum. Dieser Zugang ist ihnen jedoch durch die Osloer Interimsvereinbarungen verwehrt. Die C-Gebiete machen 61 % der Fläche des Westjordanlandes aus. Dort hat ausschließlich Israel das Sagen und die Autonomiebehörde keinerlei Zuständigkeit. Würde den Palästinensern insbesondere im fruchtbaren und an Mineralien reichen Jordantal eine freie wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht, könnte dies zu einem Wachstum des palästinensischen Bruttosozialprodukts um 35 % beitragen, die Steuereinnahmen der Autonomiebehörde um  800 Mio. USD erhöhen und deren Haushaltsdefizit halbieren. Derzeit liege der Verlust für die palästinensische Wirtschaft durch fehlenden Zugang zum C-Gebiet bei rd. 3,4 Mrd. USD:

    http://www.worldbank.org/en/news/press-release/2013/10/07/palestinians-access-area-c-economic-recovery-sustainable-growth

     

    Graswurzel-Diplomatie auf Straßen und Plätzen

    Die Initiative „Minds of Peace“ will herstellen, was sie an den  offiziellen israelisch-palästinensischen Verhandlungen vermisst: die Einbeziehung „der Leute, der Menschen auf der Straße“. Dazu organisiert sie auf öffentlichen Straßen und Plätzen in Israel und auch im Westjordanland „Friedenskongresse“ mit jeweils 6 Israelis und Palästinensern, die über die Hauptstreitpunkte des Nahost-Konflikts diskutieren und versuchen, einvernehmliche  Lösungen zu finden. Hier wird das Projekt durch seinen israelischen Vorsitzenden erläutert

    Dass sich die Mitwirkenden auch von zeitweise heftigen Störversuchen durch Teile der Zuhörerschaft nicht irritieren lassen, zeigt dieses Video:

    http://mindsofpeace.org/index.php?option=com_content&view=article&id=3&Itemid=5

    Welche „Agreements“ bei einzelnen Runden erreicht wurden, ist auf der Homepage von „Minds of Peace“ dokumentiert:

    http://mindsofpeace.org/index.php?option=com_content&view=category&id=2&Itemid=6

     

    In Hebron: „Segregation ist nicht unser Judentum“

    Siedler und Soldaten in Hebron. Foto: Tobias Pietsch

    Siedler und Soldaten in Hebron. Foto: Tobias Pietsch

    Leben in der Altstadt von Hebron (arabisch: Al-Khalil, d.h. der Freund, eine Anspielung auf Abraham als den Freund Gottes) ist durch  physische und rechtliche Segregation geprägt. Rund 1500 israelische Soldaten schützen rund 500 jüdische Siedler, die sich an  4 verschiedenen Örtlichkeiten inmitten der palästinensischen Altstadt niedergelassen haben. Rund 40.000 Palästinenser in der sogenannten H2-Zone Hebrons sind von der Zuständigkeit der palästinensischen Autonomiebehörde ausgenommen. Für sie ist die israelische Militärverwaltung zuständig. Es gibt für Palästinenser gesperrte Straßen und eine Vielzahl von Kontrollstellen. Neben den Einschränkungen ihrer Be-wegungsfreiheit sind palästinensische Einwohner Hebrons einem  hohen Maß an Gewalt und anderen Übergriffen durch Siedler ausgesetzt, denen die Besatzungsmacht nicht Einhalt gebietet. Beide Umstände haben zur Aufgabe  zahlreicher palästinensischer Geschäfte und zum Wegzug nicht weniger Ein-wohner geführt, siehe die Studie „Hebron City Center“ der israelischen Men-schenrechtsorganisation B’Tselem:

    http://www.btselem.org/hebron 

    und die Lagedarstellung der UN-Dienstelle OCHAPT

    http://www.ochaopt.org/documents/ocha_opt_hebron_h2_factsheet_november_2013_english.pdf 

    sowie zur Veranschaulichung ein Video,

    http://972mag.com/watch-hebron-shuhada-street-authorized-entry-only/68568/

    Die verschiedenen israelischen Regierungen, die die Segregation in Hebron und ihre Folgen zu verantworten haben, sahen und sehen  offenbar kein Problem darin. Teile der israelischen Zivilgesellschaft jedoch opponieren und protestieren hiergegen. Bekannt wurden zum Beispiel die von „Breaking the Silence“ geführten Touren nach Hebron, die Israelis zu einer eigenen Anschauung von den Verhältnissen dort verhelfen sollen:

    http://www.breakingthesilence.org.il/tours/1

    Weniger bekannt sind israelische Proteste, die sich ausdrücklich auf die religiösen und ethischen Traditionen des Juden-tums berufen. Sie konfrontieren die tatsächlichen Verhältnisse in der Abrahamsstadt mit der abrahamitischen Überliefe-rung und der daraus abgeleiteten Ethik. Am Shabbat Hayei Sarah, dem Tag, an dem daran erinnert wird, wie Abraham in Hebron von den „Hethitern“ die Höhle Machpela als Grabstätte für seine Frau Sarah käuflich erwarb, hat eine Gruppe jüdi-scher Israelis in Hebrons Altstadt den entsprechenden Torah-Abschnitt (1.B.M. 23, 1-20) öffentlich gelesen und diskutiert. Sie konnten zwar ihr Abrahamszelt nicht aufschlagen und auch ihre Transparente („Segregation is not our Judaism“) wur-den alsbald beschlagnahmt, sie selbst schließlich vorläufig festgenommen. Moriel Rothman, einer der Teilnehmer, erläutert Motive, Ziele und Hergang des Protests:

    http://thelefternwall.com/2013/11/07/arrested-in-hebron-segregation-is-not-our-judaism-photos-vignettes-reflections/

    Rabbinische Studenten, Rabbiner, Lehrer,  Erzieher, jüdische Gemeindeverantwortliche aus verschiedenen Ländern mit Vor-Ort-Erfahrung in Hebron gründeten das Projekt Hayei Sarah (Das Leben Sarahs, www.hayeisarah.org). Es lädt jüdische Gemeinden in aller Welt zum Gespräch über   Hebron ein. In dem Gespräch sollen die auf Hebron bezogenen religiösen Texte in eine Verbindung mit der Gegenwart der Stadt gebracht werden. Daraus sollen Verantwortungsübernahme und Handlungsimpulse erwachsen, um die Realität in Hebron so zu verändern, dass sie  jüdischen (und, auch dank des Juden-tums, universalen) Werten  wie Gerechtigkeit, Würde, Rechtsstaatlichkeit wieder Rechnung trägt. Zur praktischen Umset-zung hat das Projekt einen auch für nichtjüdische aber an der abrahamitischen Tradition interessierte Leser anregenden Gesprächsleitfaden entwickelt:

    http://cdn.hayeisarah.org/cms/wp-content/uploads/2012/11/TruahHumanRightsShabbatPHSSourcesheetParshatVayechi.pdf

    Hörens- und sehenswert sind die kurzen Video-Statements einiger Projektmitarbeiter, z.B. Joshua Schwartz über die Ethik des Zusammenlebens im gleichen Raum ohne Herrschaftsansprüche:

    und  Drew Cohen über Abrahams Verhaltensmodell

     

    Segen oder Fluch für die Beduinen der Negev?

    Foto: Tal King

    Foto: Tal King

    Im israelischen Parlament ist ein Gesetzentwurf anhängig, der die Ansiedlung einer großen Anzahl von beduinischen Staats-bürgern Israels in der Negev neu ordnen soll (Bill for he Regulation of Bedouin Settlement in the Negev), ursprünglich auch als Prawer-Begin-Plan bezeichnet. Liest man, was die israelische Regierung zu seiner Rechtfertigung schreibt, handelt es sich bei dem Vorhaben um eine mit hohem Mitteleinsatz dotierte Fördermaßnahme zur Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen der beduinischen Bevölkerung, die hierdurch erstmals von neuzeitlichen Standards wie dem Anschluss an Elektrizität, Wasser und Abwasser profitieren könne. Insbesondere die Kinder würden durch die Neuansiedlung einen besseren Zugang zur Bildung erhalten.

    http://www.israel-nachrichten.org/archive/6155

    Die israelische Menschenrechtsorganisation ACRI (Association for Civil Rights in Israel) kommt zu einer ganz anderen Bewertung. Sie sieht in einem durch Gesetz erzwungenen Transfer von mehr als 30.000 beduinischen Staatsbürgern Israels aus mehreren Dutzend bisher nicht anerkannten Dörfern einen willkürlichen und schwer wiegenden Eingriff in Freiheits- und Eigentumsrechte. Sie hebt darauf ab, dass einige der nicht anerkannten Dörfer bereits vor Gründung Israels bestanden hätten. Die Eigentumsverhältnisse an dem von den Beduinen beanspruchten Land bedürften einer sorgfältigen und möglichst einvernehmlichen Klärung statt sie einseitig  und pauschal regulieren zu wollen. Vor allem aber sollte eine Siedlungs- und Bauplanung für Beduinen nicht ohne oder gegen sie sondern gemeinsam mit ihnen erfolgen.

    http://www.acri.org.il/en/2013/11/14/begin-not-solution/

    Bei Demonstrationen von beduinischen Israelis und nicht-beduinischen Unterstützern am 30.11.,  dem bereits dritten „Tag des Zorns“, kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei.

    http://972mag.com/chronicle-of-a-violent-confrontation-foretold/82758/

    Das spricht nicht für die Behauptung der Regierung, die Initiative sei in einem breiten Dialog mit der beduinischen Bevölkerung entwickelt worden.

    Hinsichtlich der geplanten Wegnahme beduinischen Landes mit gesetzlichen Mitteln und den dafür vorgebrachten Begründungen drängt sich der amerikanischen Organisation „Jewish Voice for Peace“ eine geschichtliche Parallele im eigenen Land auf, die Einbringung des Gesetzentwurfs zur Umsiedlung der Indianer aus dem Jahre 1829.

    https://org.salsalabs.com/o/301/images/prawer%20tg%20and%20hannukah.pdf

    Erstaunlich, wie schnell und eindeutig eine geschichtliche Parallele durch Aussagen politisch Verantwortlicher von heute beglaubigt wurde, so geschehen bei der Fortsetzung der Gesetzesberatung im Innenausschuss der Knesset am 9. Dezember. Auf den Einwurf des Abgeordneten Hanna Swaid von der linken Hadash-Partei „Sie wollen eine ganze Bevölkerung umsiedeln“ antwortet die Ausschussvorsitzende Miri Regev (Likud): „Ja, so wie es die Amerikaner mit den Indianern gemacht haben“. Dies berichtet die Jerusalem Post. Sie berichtet außerdem, dass der Gesetzesinitiator Benny Begin eingeräumt habe, die Beduinen hätten den Plan, der dem  Gesetzentwurf zugrunde liegt, weder gesehen noch ihm zugestimmt.

    http://www.jpost.com/Diplomacy-and-Politics/MKs-learn-Beduin-were-in-the-dark-over-resettlement-plan-threatening-bills-Knesset-passage-334502

     

    Bildungsexzellenz: eine drusische Kleinstadt in Israel

    Der israelische Journalist Shlomi Eldar berichtet, wie Beit Jann, eine Kleinstadt von 11.900 drusischen Einwohnern im Oberen Galiläa, im landesweiten Bildungs-Ranking die meisten israelischen Gemeinden mit mehrheitlich jüdischer Bevölkerung hinter sich ließ. Gemessen an der Abiturientenquote (85 % aller Schüler schaffen es dort bis zum Abi), liege Beit Jann an dritter Stelle, gemessen am Durchschnittseinkommen seiner Einwohner allerdings weit unter dem Landesdurchschnitt.  Und  was die personelle und materielle Ausstattung anbetrifft, seien arabische Schulen im israelischen Bildungssystem alles andere als begünstigt. Desto größer ist Eldars Respekt  davor, wie in Beit Jann sowohl die sozioökonomischen Hindernisse wie die eines  diskriminierenden Bildungssystems überwunden wurden. Eine Erklärung dafür sieht er im besonderen Engagement und im  motivierenden Führungsstil des Schulleiters.

    http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2013/09/israel-arab-sector-druze-beit-jann-education-matriculate.html

     

    Uri Avnery 90 Jahre alt

    Foto: Uri Avnery

    Foto: Uri Avnery

    Im September hat der politische Publizist, und Friedensvorkämpfer Uri Avnery seinen 90. Geburtstag gefeiert. Zu diesem Anlass entstand ein kurzer Film über sein außerordentlich bewegtes Leben.

    http://zope.gush-shalom.org/home/en/channels/video/1383529439

    Der Film zeigt auch, mit welcher Unvoreingenommenheit, welchem Mut und welcher Beharrlichkeit er  lebenslang versucht hat, dem politischen Kurs seines Landes eine Wendung hin zu Ausgleich und Frieden zu geben. In der Erkundung entsprechender Bereitschaft bei den Palästinensern war Avnery Pionier. Nun ist er 90 Jahre und kein bisschen müde. Noch immer schreibt er seine wöchentlichen Kolumnen. Lesenswert ist sein Vorausblick auf Israel in 90 Jahren, bei Reiner Bernstein auf Deutsch:

    http://www.reiner-bernstein.de/genferinitiative/ge_erklaerungen/Avnery_28.10.13.pdf  

     

    Erstmals: ein Araber durch Yad Vashem geehrt

    Auch Araber haben Juden vor der deutschen Vernichtungsmaschinerie während der Naziherrschaft gerettet. Das ist öffentlich wenig bekannt. Vielleicht ändert sich dies, nachdem die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem jetzt erstmals einen Araber, den ägyptischen Arzt Dr. Mohamed Helmy, posthum als „Gerechten unter den Völkern“ ausgezeichnet hat. Einzelheiten zur Person und den Umständen seiner rettenden Tat:

    http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2013/10/mohamed-helmy-arab-righteous-among-the-nations-holocaust.html

     

    Frauen schaffen Versöhnung

    Am 29. September fand in der Tel-Aviver Cinemathek ein großes öffentliches Treffen der Frauengruppe des „Parents Circle Families Forum“  statt. 200 Palästinenserinnen aus der Westbank und 1500 Israelinnen nahmen daran teil. PCFF ist eine 1995 gegründete israelisch-palästinensische Organisation. In ihr begegnen sich Frauen und Männer, die im Zuge der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen beiden Völkern einen ihrer nahen Angehörigen verloren haben. Für das Treffen hatten israelische wie palästinensische Frauen unter professioneller Anleitung eine eigene Fotoausstellung gestaltet. Unter der Überschrift „Die Gegenwart der Leere“ wollten die Ausstellungsmacherinnen die Gegenwart des verlorenen nahen Menschen im eigenen Leben auch für Dritte nachvollziehbar machen. Die zu den jeweiligen Bildern gehörende Geschichte wurde dem Publikum erzählt. Eine weitere Ausstellung, „Die Textur des Lebens“, zeigte unter künstlerischer Anleitung selbstgefertigte Bücher von Israelinnen und Palästinenserinnen,  in denen sie Meilensteinen ihres eigenen Lebens symbolischen oder bildnerischen Ausdruck gaben. Auch hier wurden den Besuchern die dazugehörigen Geschichten erzählt. Lebensgeschichten erzählen und hören war das zentrale Element des Treffens. „It won’t stop until we talk“ –  der unsägliche Konflikt wird nicht enden, bis wir uns dazu entschließen, miteinander zu reden.

    http://www.theparentscircle.com/SingleEvent.aspx?ID=1048#.Uqca3OKNNQ0

     

    Mannheim und Hebron kooperieren

    Abrahams-Moschee in Hebron. Foto: Tobias Pietsch

    Abrahams-Moschee in Hebron. Foto: Tobias Pietsch

    In ihrer Größe und wohl auch in ihrer Lebendigkeit und Dynamik passen die beiden Städte zusammen. Am 4. Dezember haben der Mannheimer OB Dr. Peter Kurz und sein Amtskollege aus Hebron, Prof. Dr. Daoud Zatari, einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Beide Städte wollen künftig zum Wohle ihrer Bürgerinnen und Bürger zusammenarbeiten. Schwerpunkte der Kooperation werden die Bereiche Existenz-gründungen, Abwasserwirtschaft, alternative Energien, Verkehr und e-government sein. Die Kooperation ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Dann, so heißt es, soll sie evaluiert und gegebenenfalls vertieft werden. Ein erfreulicher Begleitumstand: die Vertreter der israelischen Partnerstadt Mannheims, Haifa, haben die Kooperation ausdrücklich begrüßt.

    https://www.mannheim.de/nachrichten/kooperationsvertrag-hebron-unterzeichnet

     

    Give Peace a Dance!

    Allzu schwer Lastendes durch Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung zum Tanzen zu bringen,  guten Comedians wie dem  Duo Maz Jobrani und Elon Gold gelingt das. Beleg:

    http://givepeaceadance.org/

     

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