• Israel liebt Iran: eine Internetkampagne zur Kriegsverhütung

    Am 14. März veröffentlichten Ronny Edry, 41, Israeli aus Tel-Aviv, und seine Frau Michal Tamir in Facebook ein Poster mit der Aufschrift „Iraner, wir werden euer Land niemals bombardieren, wir lieben euch.“ Das gut gemachte Poster in Grün, Weiß und Pink (Edri ist Grafikdesigner und Lehrer) löste ein riesiges Echo aus – in Israel, im Iran und in vielen Ländern der Welt. Viele weitere Poster mit vergleichbaren Botschaften, gerichtet an Israelis wie Iraner, wurden ins Netz gestellt, ebenso Kommentare und Videos.  Auf einer eigens eingerichteten Website http://www.israelovesiran.com/ versammelt sich das Echo aus der ganzen Welt.

    Was Ronny Edry und seine Frau mit ihrer Aktion bezwecken, spricht Edry in einer Videobotschaft aus (http://www.youtube.com/watch?v=mYjuUoEivbE). Wir haben sie vom Englischen ins Deutsche übersetzt:

    „An das iranische Volk, an alle Väter, Mütter, Kinder, Brüder und Schwestern:  Damit es zu einem Krieg zwischen uns kommen kann, müssen wir Furcht vor einander haben, müssen wir einander hassen.

    Ich habe keine Furcht vor euch. Ich hasse euch nicht.

    Ich kenne euch nicht einmal. Kein Iraner hat mir jemals etwas angetan. Ich bin nicht einmal einem Iraner irgendwann in meinem Leben begegnet… Oder doch einem, in einem Museum in Paris. Netter Typ.

    Manchmal sehe ich hier  im Fernsehen einen Iraner. Er spricht über Krieg.

    Ich bin sicher, dass er nicht für alle Iraner spricht.

    Wenn ihr in eurem Fernsehen jemanden seht, der darüber redet, euch zu bombardieren… seid gewiss, dass er nicht für uns alle spricht.

    Ich bin kein offizieller Vertreter meines Landes. Ich bin Vater und Lehrer. Ich kenne die Straßen meiner Stadt. Ich rede mit meinen Nachbarn, meiner Familie, meinen Schülern, meinen Freunden und im Namen von allen diesen sage ich… wir lieben euch.

    Wir wollen euch nichts Böses.

    Im Gegenteil, wir möchten euch gern treffen, einen Kaffee zusammen trinken und uns über Sport unterhalten.

    An alle diejenigen, die auch so denken und fühlen: verbreitet diese Botschaft und tragt dazu bei, dass sie das iranische Volk erreicht.

    Ronny, Tel Aviv“

    Wir finden, diese Kampagne ist ein bemerkenswerter Versuch der Entfeindung. Wo Politik im jeweils Anderen ein zu bekämpfendes  Böses sieht und in dieser Sackgasse stecken bleibt,  übernehmen bis dahin völlig unbekannte Vertreter der Zivilgesellschaft plötzlich die Führung. Der „Andere“ wird als Nachbar und Mitbewohner des globalen Dorfes angesprochen. Ihm wird Interesse, Empathie, Mitsorge entgegengebracht. Im virtuellen Raum findet ein vieltausendfaches Kennenlernen und Begegnen statt.

    Auf seiner Facebook-Seite schrieb Ronny Edry: „Wir werden so laut sein, dass wir den Krieg verhindern werden.“ Hoffentlich laut genug für die Regierungen.

     

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